Butterwegge - Neoliberalimus

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tortitch
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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon tortitch » Sa 18. Mär 2017, 09:48

- "Unser Projekt beruht auf der Ablehnung von Individualismus und totaler Monetarisierung, auf der Weigerung, den Menschen einer rein konsumistischen - Logik zu unterwerfen, die gierigen multinationalen Konzernen nützt."
- Die Globalisierung sei eine Macht, die alle Demokratien unterwirft.
- Die Europabürokratie bringe die Idee der europäischen Verständigung auf Abwege und setze an ihre Stelle ein technokratisches, totalitäres Projekt, das unseren Freiheiten schade. Dahinter stecke letzten Endes das globale Kapital.
- Der Globalismus sei eine "Ideologie (...), die darauf zielt, die Kulturen zu vereinheitlichen, das Nomadentum zu fördern (...), sie (die Menschen) austauschbar zu machen, sie letztlich in Anonyme zu verwandeln."
- Der Globalismus bestehe aus einer "Allianz aus Konsumismus und Materialismus, um den Menschen aus der Geschichte zu lösen."

Mit diesen Aussagen wird Marine Le Pen in einer deutschen Zeitschrift zitiert. Im Rahmen des Artikels wird Le Pen (und damit gewissermaßen ihren Aussagen) eine rechtsextreme (also demokratiefeindliche) und verschwörungstheoretisch-demagogische Position zugeschrieben.

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Mr Knowitall
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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 10:00

q.e.d.

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Tom
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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Tom » Sa 18. Mär 2017, 10:27

Momentamal.
Bloss weil sich jemand gegen den Konsum und gegen Vereinheitlichung wendet muss man nicht gleich Hurrah schreien.
Bei Le Pen und auch bei Frau Petry scheint mir das nur dieM elodie vom Rattenfänger zu sein. Immer im Kontext sehen solche Aussagen.

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Mr Knowitall
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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 10:32

Darum geht es doch nicht. Es geht darum, dass egal wer sich gegen die Verrechtlichung von Unrecht aussrpricht, rechtsradikal, verrückt oder Terrorist sein MUSS.

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Mr Knowitall
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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 10:36

Tom hat geschrieben:
buttrock hat geschrieben:Das Wegsperren von "kritischen Geistern" in Irrenhäuser ist halt einfach nicht der Grund, warum sich die Leute die Verhältnisse gefallen lassen. Das brauchts gar nicht.

Da gebe ich dir recht. Was ist deiner Ansicht nach der Grund, warum sich die Leute die Verhältnisse gefallen lassen? Buchhinweis oder youtubelink reicht......


Der Butterwegge beschreibt es selbst.

Der Vortrag zum Neoliberalismus in der Psychotherapie und die Zurichtung der Menschen in diesem System erzählt mir zwar nicht viel Neues, aber es wird Einiges auf den Punkt gebracht. Der Evaluations- und Selbstevalutationswahn ist auch ein interessanter Punkt, ebenso die Umdeutung von Resilienz. Ich kenne tatsächlich Menschen, die zum Psychologen gehen, um Arbeitsprobleme zu wälzen und sich selbst zu optimieren, damit sie besser funktionieren. Das sind diejenigen, die das Narrativ besonders tief verinnerlicht haben. Sie fühlen sich jetzt schon mit ihrer völlig unbedeutenden Arbeit überfordert, aber meinen dennoch, sie wären zu höchsten Managerposten berufen, weil das die Karotte ist, die man ihnen seit Jahren vor die Nase hält. Wenn man jede Woche irgendwo 50h verbringt, hat das Auswirkungen, insbesondere dann, wenn man ein Mensch ohne gefestigtes Selbst ist. Diese formbaren Drohnen sind der Kitt, der alles zusammenhält, bis sie dann mit einem Burnout zusammenbrechen und durch die nächste ersetzt werden.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Tom » Sa 18. Mär 2017, 10:52

Ich wollte speziell buttens Sicht erfragen.
Ich denke schon, dass ich da einige Meinungen zum Thema gehört hab.
Und den Link vom Ottomayer fand ich gut, genauso wie den vom Läster Paul (w. berger) den ich heut Nacht angehört hab.
Den Butterwege hör ich demnächst.
Ottomayer fand ich direkt bestätigt im Freundeskreis.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Cat Carlo » Sa 18. Mär 2017, 11:12

Mr Knowitall hat geschrieben:Darum geht es doch nicht. Es geht darum, dass egal wer sich gegen die Verrechtlichung von Unrecht aussrpricht, rechtsradikal, verrückt oder Terrorist sein MUSS.

Es ist doch völlig unwichtig, was einer ist. Es geht darum, was man sagt, nicht wer es sagt. Diese Grundregel der Demokratie wird von allen Seiten heutzutage immer noch von großen Teilen der Bevölkerung missachtet. Aber die Menschen brauchen wohl ihren "Teufel", das Böse schlechthin, ein jahrtausendealtes erfolgreiches Modell der Religionen. Heute sind es je nach Lager die AFD, die Grünen, die Antifa, Trump usw. Und natürlich immer der Hinweis auf den Unaussprechlichen mit dem Bärtchen.

Wenn einer einen angeborenen Dachschaden hat (sorry), dann soll er gleichberechtigt im Gymnasium am Unterricht teilnehmen. Wenn einer der anderen politischen Richtung anhängt, soll er in ein Umerziehungslager. Ich verliere immer mehr die Hoffnung, dass das gut ausgeht.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 11:26

@Tom
An keinem geht dieser Geist spurlos vorüber, aber es gibt Persönlichkeiten, die besonders anfällig sind, und ich fürchte, es werden eher mehr, da die Kompetenzorientung keinen gereiften Menschen anstrebt.
Alle Menschen wollen gelobt und wertgeschätzt werden und nicht hinter den Anforderungen zurückbleiben. Daher wollen sie unbedingt funktionieren, koste es, was es wolle.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon buttrock » Sa 18. Mär 2017, 11:56

Tom hat geschrieben:
buttrock hat geschrieben:Das Wegsperren von "kritischen Geistern" in Irrenhäuser ist halt einfach nicht der Grund, warum sich die Leute die Verhältnisse gefallen lassen. Das brauchts gar nicht.

Da gebe ich dir recht. Was ist deiner Ansicht nach der Grund, warum sich die Leute die Verhältnisse gefallen lassen? Buchhinweis oder youtubelink reicht......

Karl Marx - Das Kapital :mrgreen:

Die meisten Leute begreifen die Verhältnisse als eine Chance aus der sie nur etwas zu machen hätten und wenn einem selbst dann darin nicht soviel Erfolg beschieden ist, dann finden sie allerlei Gründe in ihre eigenen Unzulänglichkeiten oder in halt im irgendwelchen personifizierten Feinden: Flüchtlinge, Juden, Bilderberge, die USA. Dass es grundsätzlich in dieser Gesellschaftsordnung einfach systematisch Verlierer geben MUSS, das kann beim ollen Marx lernen.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Tom » Sa 18. Mär 2017, 16:30

Zum Ottomayer nochmal: ein enger Freund arbeitet als Suchttherapeut in Augsburg; der hat mir erzählt, dass die Krankenkassen seit kurzem viel dezidierter wissen wollen, wann der Klient arbeistechnisch wieder einsetzbar ist. Da beispielsweise baut sich Druck auf, der fraglos mit dem stärker zu spürendem Sog des Neoliberalismus zu tun hat.
Den "neoliberalen Patienten" per se als pathogene Form einer Persönlichkeisstörung auszumachen halte ich für irreführend; bei dieser Dynamik kommen eher Störungen zum Ausdruck, die schon länger formuliert sind.
Insgesamt geht es mir aber um Lösungsansätze, mit der Analyse bin ich eh meist d'accord.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 17:20

Mit einer individuellen Persönlichkeitsstörung hat das auch nichts zu tun, sondern mit der kollektiven Internalisierung der Werte und Anforderungen der Leistungsgesellschaft von Kindesbeinen an. Aber nicht jeder ist gleich, hat die gleichen Eltern etc.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon tortitch » Sa 18. Mär 2017, 17:34

In Kiel stehen zur Zeit spd-Plakate, auf denen Gerechtigkeit für alle gefordert wird (oder es wird versprochen).
Semantisch irgendwie krass, wenn man es für erwähnenswert hält, dass Gerechtigkeit für alle herrschen soll.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 17:42

Angesichts der offensichtlichen Ungerechtigkeit ist das wohl notwendig.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon buttrock » Sa 18. Mär 2017, 18:08

Dabei sollte man lieber ein gutes Leben für alle fordern. Bei der Gerechtigkeit kommt es nämlich immer auf den Maßstab an.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon Mr Knowitall » Sa 18. Mär 2017, 18:12

Führen die Hartzer denn kein gutes Leben? Die können doch Balalaika spielen (Münte).

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon tortitch » Sa 18. Mär 2017, 21:09

Bei den Griechen - also bei den antiken - gab es mal einen Diskurs über das gute Leben. Da war ein gutes Leben ein tugendhaftes. Und Gerechtigkeit war eine Tugend und... na ja, heute hat man wohl eine andere Vorstellung vom guten Leben.

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Re: Butterwegge - Neoliberalimus

Beitragvon buttrock » Sa 18. Mär 2017, 22:00

bei den Griechen gabs aber auch Sklaven und da war das "gute Leben" auch nur für einen Teil der Menschen vorgesehen. DIe konnten sich dann auch Tugendhaftigkeit leisten.


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