Gospel des Tages

Benutzeravatar
Tom
Beiträge: 7108
Registriert: So 24. Okt 2010, 17:00

Re: Gospel des Tages

Beitragvon Tom » Mi 31. Mai 2017, 11:52

Das mag aus deiner Sicht so sein, ich verstehe auch den Vergleich mit Chaplin und bin in der Sache Sklaven durch die Christianisierung voll bei dir.
Nur halte ich es bei dieser Dynamik eher mit der "Identifikation mit dem Angreifer" (Otto Fenichel) oder mit dem Auspruch Anna Freuds "die revolutionärtsen Kinder sind immer die angepasstesten" (siehe RAF).
Es wäre wünschenswert auf Entwürfe zu schauen, die jenseits der Strukturen sind und sich nicht aus deren Negation speisen.
Du darfst gerne Utopist zu mir sagen :sabber:
Zuletzt geändert von Tom am Mi 31. Mai 2017, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Cat Carlo
Beiträge: 1252
Registriert: Sa 23. Okt 2010, 19:20
Wohnort: Dithmarschen

Re: Gospel des Tages

Beitragvon Cat Carlo » Mi 31. Mai 2017, 13:00

buttrock hat geschrieben:Aber nicht einmal dazu muss Kultur im Sinne eines Kanons auf wenige besonders herausragende Kulturschaffende konzentriert sein. Mangel und Ausdifferenziertheit sind verschiedene Dinge. Zur klären bliebe folgendes:
- Ist es notwendig,dass Kultur normativ ist? Ist ein neutraler Kulurbegriff denkbar?
- Ist "Leidkultur" ein glücklich gewählter Begriff?
- Hängt das verschwinden von Megastars a la U2 mit einer objektivierbaren "Qualität" der Bands oder mit den veränderten Rahmendingungen der Musikindustrie, den neu hinzugekommen Kulturgütern etc. zusammen.
- Ist das verschwinden der Stadionrockbands wirklich ein schritt HIN zur Barbarei oder nicht ehr weg von ihr?

Kultur bezieht sich ja nicht nur auf Kunst und irgendwas, was man schafft. Kultur ist auch das soziale miteinander (ob gerade Du das hier für sozial hältst oder nicht spielt dabei keine Geige), Traditionen und Gesetze.

Es gibt natürlich einen generellen Kulturbegriff: Beispiel: Sprache ist eine kulturell Errungenschaft des/der Menschen. Die deutsche Sprache ist schon wieder speziell, gehört dann auch zu Heine und Schiller wie die Englische zu Shakespeare. Das ist dann in gewisser Weise natürlich normativ. Genau wie Steinigungen, die für manche zu ihrem moralischen Weltbild gehören, aber in D geächtet sind. Und ja, das hat was mit Kultur zu tun, mit unterschiedlichen Kulturen und somit etwas mit Normierung.

Zur Musik und den neuen Klangbildern: Ist da irgendwas ungewöhnliches passiert? Die Teenies haben den alten Säcke über 30 schon immer eine eigene Kultur entgegengesetzt. Trau keinem über 30! Hinter den Marshall Amps die Sehnsucht nach der eigenen Jugend, die nie so lief wie erträumt.

Benutzeravatar
Multitone
Beiträge: 4392
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 10:47

Re: Gospel des Tages

Beitragvon Multitone » Mi 31. Mai 2017, 14:51

Es ging mir nicht um Teenies und neue Klangbilder.
Sondern um das soziale Konstrukt "Band" bzw. um eine Ansammlung von Künstlern, die als solche wahrgenommen wird und dabei so erfolgreich ist, dass sie stil-, geschmacks- und altersübergreifend über einen langen Zeitraum identifiziert wird.
Ich habe dabei nicht gewertet, ob das gut oder schlecht ist, aber da war in den letzten 20 Jahren weit und breit nichts Neues zu sehen im Pop/Rock-Airplay-Geschäft außer Coldplay und mit tiefgreifenden Abstrichen Green Day.
Alles, was bekannt ist, zählt wahrgenommen somit fast durchweg als Einzelkünstler.

Benutzeravatar
buttrock
Beiträge: 5966
Registriert: Fr 29. Okt 2010, 18:45

Re: Gospel des Tages

Beitragvon buttrock » Mi 31. Mai 2017, 15:38

Tom hat geschrieben:Das mag aus deiner Sicht so sein, ich verstehe auch den Vergleich mit Chaplin und bin in der Sache Sklaven durch die Christianisierung voll bei dir.
Nur halte ich es bei dieser Dynamik eher mit der "Identifikation mit dem Angreifer" (Otto Fenichel) oder mit dem Auspruch Anna Freuds "die revolutionäretsen Kinder sind immer die angepasstesten" (siehe RAF).
Es wäre wünschenswert auf Entwürfe zu schauen, die jenseits der Strukturen sind und sich nicht aus deren Negation speisen.
Du darfst gerne Utopist zu mir sagen :sabber:

Es ist hier nur ein Spiel, die "Entwürfe" finden nur auf der Platte statt. Da steht nicht der Anspruch dahinter, dass die Spiegelung des Christentums etwas emanzipatorisches hätte. Und die ambivalenz die in der Ästhetik steckt, die Spannung zwischen Blackmetal und Gospel ist hier grade das nichtfaschistische.

Benutzeravatar
Tom
Beiträge: 7108
Registriert: So 24. Okt 2010, 17:00

Re: Gospel des Tages

Beitragvon Tom » Mi 31. Mai 2017, 15:47

Bei aus einer Ästhetik begründeten Ambivalenzen bin ich grundsätzlich sehr misstrauisch.

Benutzeravatar
Multitone
Beiträge: 4392
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 10:47

Re: Gospel des Tages

Beitragvon Multitone » Mi 31. Mai 2017, 16:04

ich würde sogar so weit gehen, das nicht Ästhetik, sondern Symbolik zu nennen.

Benutzeravatar
buttrock
Beiträge: 5966
Registriert: Fr 29. Okt 2010, 18:45

Re: Gospel des Tages

Beitragvon buttrock » Mi 31. Mai 2017, 16:48

@Tom: Warum?
@Multi: was macht das für einen Unterschied?

Benutzeravatar
Multitone
Beiträge: 4392
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 10:47

Re: Gospel des Tages

Beitragvon Multitone » Mi 31. Mai 2017, 19:56

Auch wieder wahr.


Zurück zu „CD / DVD / Konzert / Video“