Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

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Zakk
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Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Zakk » So 25. Aug 2013, 14:40

Ich wollte mal ne Diskussion zum Thema Metronom-Gebrauch anstoßen.

Da ich leider mit nem Schlagzeuger zu tun habe, der sich unsicherer fühlt, als er eigentlich ist, und sich auf das Spiel mit Click fixiert hat, wollte ich mal was zu diesem Thema beitragen und die Erfahrungen abfragen.

Ich habe den Eindruck, dass ein Metronom sehr hilfreich sein kann. Es kann helfen Klarheit über zB. komplizierte Rhythmen zu gewinnen. Des Weiteren ist es zT. sehr entlarvend für einen selbst. Man merkt die eigenen Ungenauigkeiten sehr genau. Das Ego schrumpft sich gesund.....

Andererseits scheint es so etwas wie eine "Klick-Neurose" bei Instrumentalisten zu geben. Erst einmal ist da IMO ein grundfalsches Verständnis von "Professionalität" bei Amateur-Schlagzeugern verbreitet. Die "Amtlichen" spielen alle nur mit Click... Hat ihnen anscheinend irgendwer erzählt... Ich glaube einen größeren Bullshit kann man nicht verzapfen. Zum anderen bindet die Fixierung auf den Click die Konzentration und lenkt dummerweise ab. Verkrampftheit, das Warten auf den nächsten Fehler sind die Folge.

Er hier ist sogar ziemlich klar in seiner Meinung...

http://www.youtube.com/watch?v=9z6g7vBXboA

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lady starlight
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon lady starlight » So 25. Aug 2013, 14:50

...hab den Artikel zu Paradise City im neuen G&B zu diesem Thema sehr spannend gefunden...
Beginnt mit 94bpm und hört mit ca 110bpm auf...offensichtlich macht nicht nur der Click einen geilen Song aus...

Bissl OT, aber ich wollt's halt loswerden... :oops:


:flower:

lgls

Tom

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Tom » So 25. Aug 2013, 16:26

Es geht drum mit dem Metronom das eigene Timefeeling, welches ohne Metronom bereits da ist zu unterstützen, schulen, verbessern, auszuprobieren etc. pp.
Ich empfehle langsame Tempi um die 60 bpm bis 80 bpm lange Zeit zu spielen und das Metronom auf unterschiedliche Zählzeiten laufen zu lassen und einfache, schon verinnerlichte Sachen spielen um sich aufs Mikrotiming zu konzentrieren.

Oder mit einem getimten Delay im wet:dry Verhältnis 50:50 üben

Gamma

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Gamma » So 25. Aug 2013, 18:01

Man braucht es, um die "innere Uhr" zu entwickeln, damit man in Stresssituationen nicht anzieht! Ich habe mit zwei Schlagzeugern gespielt, für die das Metronom "Gott" war, und die waren beide im Bezug auf den Dynamik-Aufbau innerhalb eines Songs beschissen! Jetzt spiele ich wieder mit einem alten Mitstreiter zusammen, und der "fühlt" das richtige Tempo, das dann durchaus im Verlauf eines Songs auch schwanken darf! An den richtigen Stellen wohlgemerkt, und in die richtige Richtung!

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Reinhardt
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Reinhardt » So 25. Aug 2013, 18:17

ich glaube ja, falls ich die Vormeinung von Gamma richtig verstanden habe, dass die Dramaturgie eines Songs gerade dadurch entsteht, dass Tempo und Dynamik völlig voneinander entkoppelt sind (was nicht heißt, dass sich nicht beide ändern dürfen, aber nicht, WEIL der andere Parameter sich grade auch ändert) und folge damit klar der Philosophie des Pompe Manouche bzw. des Swing allgemein. Gerade im Slow-und Midtempobereich ist ein solider Beat das A und O, egal was sonst passiert. Wo soll ein Microtiming, sprich ein Groove, ein Swing denn herkommen, wenn kein Beat da ist, der eine Referenz darstellt wie eine vorbeikesselnde Dampflok?
Als künstlerisches Element das Tempo zu variieren ist natürlich oder gerade deshalb zulässig. Wobei ich trotzdem kein Fan von Drum-Soli bin, die das Tempo ändern.

Merkt man, dass ich Fan von Steve Jordan und Bill Stewart bin?

Gamma

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Gamma » So 25. Aug 2013, 18:28

@ Multi
Wir haben uns verstanden (denke ich)!

Gamma

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Gamma » So 25. Aug 2013, 19:02

Also wenn ein Autofahrer seinen Tacho braucht, um zu wissen wie schnell er fährt, hat er seinen Beruf verfehlt ( ich muss gerade selber lachen, hihi)!

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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon silversonic65 » So 25. Aug 2013, 20:10

Als ich vor einigen Jahren im zweiten Anlauf nochmal Gitarrenunterricht
genommen habe (nach ca. 10 Jahren Spielpraxis), musst ich in der ersten Stunde erstmals
nach Metronom spielen... das war so entlarvend. Ich kam mir vor, wie der letzte Anfänger!
Hab´s aber konsequent durchgezogen und während dieser Zeit stellenweise sogar (unbewusst)
beim Essen im Takt gekaut!! :dizzy:

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Reinhardt
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Reinhardt » Mo 26. Aug 2013, 10:48

Gamma hat geschrieben:Also wenn ein Autofahrer seinen Tacho braucht, um zu wissen wie schnell er fährt, hat er seinen Beruf verfehlt ( ich muss gerade selber lachen, hihi)!


wenn ein Rennradfahrer einen Pulsmesser braucht, ist er jünger als 40 und hat es leider nie gelernt, auf die innere Uhr zu hören. ;-)

Tom

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Tom » Mo 26. Aug 2013, 11:38

Hab grad den Jeff Berlin gehört...
ich weiß was er meint, und natürlich hat er Recht mit dem was er sagt.
Daß bedeutet aber für mich nicht, daß man nicht zum Metronom üben sollte oder damit verbesserungen erzielen kann.
Nur Timing lernen, wenn vorjher nix, also wirklich kein timefeel da ist: das geht mit dem Metronom glaub ich nicht.
Ein Metronom ist eine Orientierung nicht mehr, aber auch nicht weniger

Tom

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Tom » Mo 26. Aug 2013, 11:47

Im Zakkens Jeff Berlin Video bei 1:43 sacht er:
"None of us can play anything that we don't know. You don't learn with a Metronome because a metronome puts the click and the time before the information you have."

Finde ich in gewisser Weise richtig. Ich persönlich habe mit dem Metronom nur Erfahrungen mit Sachen die ich schon "gut" gekonnt habe gemacht. Zum erstmaligen Lernen von Passagen, Fingersätzen etc. würde ich nie ein Metronom einstellen.
Mit Metronom übe ich entweder Improvisation mit rhythmischen Sachen wie Quintolen, Septolen etc. bzw. 3 über 2, 4 über 3, 5 über 4 und den ganzen Polyschmarrn oder ich versuche mich in trance zu spielen mit einem simplen Pattern und achte auf die Veränderung der Qualität z.B. der Achtel.
Es geht nicht drum sich mittels Metronom zu Quantisieren sondern immer um die größeren Bögen!

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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Zakk_Wylde » Mo 26. Aug 2013, 12:09

Er sagt das ja nicht nur allein. Anscheinend auch andere. Z.B. M. Eklundh.

Ich finde auch das Metronom gut, um Sachen technisch in den Griff zu bekommen. Man spielt irgendwelche Sachen und bei den schwierigen Teilen tendiert man dazu das Tempo rauszunehmen. Falsch! Das Metronom ist gnadenlos und dadurch spielt man automatisch eher am Limit. Und merkt eben, wo man schummelt.

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Aldaron
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Aldaron » Mo 26. Aug 2013, 12:17

Dabei bitte nicht vergessen, dass Eklundh spielt wie ein Uhrwerk! War ja auch (zuerst?) Drummer. Ich kann mir schon vorstellen, dass der viel mit Metronom gearbeitet hat.

Bands mit Samples müssen notgedrungen mit Metronom spielen.

Tom

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Tom » Mo 26. Aug 2013, 12:49

Zakk_Wylde hat geschrieben: Falsch! Das Metronom ist gnadenlos und dadurch ....bla ..... eher am Limit. ......bla...... schummelt.


Du musst unbedingt netter zu dir sein, wenn du am Instrument weiterkommen willst.

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Aldaron
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Aldaron » Mo 26. Aug 2013, 12:58

Tom hat geschrieben:Du musst unbedingt netter zu dir sein, wenn du am Instrument weiterkommen willst.


:up:

Darf ich mir den Satz einrahmen und über den iMac hängen?

Tom

Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Tom » Mo 26. Aug 2013, 13:22

Klar. Du kannst dir den Satz:
" Zakk muss unbedingt netter zu sich sein, wenn er am Instrument weiterkommen will" gerne in ein Baumwolle einsticken lassen
und über dein Bett hängen.
:mrgreen:

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Aldaron
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Aldaron » Mo 26. Aug 2013, 13:28

Der Satz geht aber auch mit "Aldi", ich bin auch oft nicht nett genug! ;)

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Spanish Tony
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Spanish Tony » Mo 26. Aug 2013, 18:39

Das coole ist ja, dass das bewußte Üben mit Metronomen relativ zügig ins Unterbewußtsein eindringt. Schon nach wenigen Tagen bemerkt man deutliche Unterschiede
ST

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Cat Carlo
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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Cat Carlo » Mo 26. Aug 2013, 20:21

Aldaron hat geschrieben:
Tom hat geschrieben:Du musst unbedingt netter zu dir sein, wenn du am Instrument weiterkommen willst.


:up:

Darf ich mir den Satz einrahmen und über den iMac hängen?

Nein!!!
iMac -Besitzer sind selbsternannte Leistungsträger und unerbittlich gegen sich und andere! :tongue:

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Re: Pros and Cons des Metronom-Einsatzes

Beitragvon Cat Carlo » Mo 26. Aug 2013, 20:29

Ein Metronom ist ein Werkzeug, man kann es nicht für alles gebrauchen, aber es gehört in den 'Kasten'!

Ob ich mit einem Metronom zusammenspiele oder mit einem Drummer: Ich muß mich auf das Zusammenspiel konzentrieren, wenn mich das rausbringt, bin ich halt' noch nicht soweit.

Lang ist es her, da hatten wir erhebliche rhythmische Schwierigkeiten mit dem langsamen Mittelteil eines Stückes, also kurz: es klappte nicht und es klang scheußlich. Der Rest war auch so lala... Da hab' ich die anderen zur Verwendung eines Metronoms überredet. Man erntet nicht in jeder Band mit solchen Vorschlägen begeisterte Zustimmung...

Der Mittelteil mußte dann, da wir das Ding ja nicht so schnell umstellen konnten, in einer Art half-beat Modus gespielt. Jungs! Das war es!

Noch 'ne Anmerkung: Für punktierte Achtel, Triolenfeeling und so oder Mischungen daraus sollte man sich was komplizierteres aussuchen, vielleicht 'ne MIDI-Datei mit der/den Figuren.

Gruß vom Kater


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