Perzeptuelles Noten lernen

miki
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Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon miki » Mo 18. Apr 2016, 14:50

Liebe Musikgemeinde,

in meiner Arbeit als Lehrer für Klavier/Keyboard und Bassgitarre stellte ich immer wieder fest, dass einige Schüler auch nach Jahren noch Probleme hatten, Noten schnell und sicher zu identifizieren. Das beruht auf verschiedenen Problemen, die ich hier genauer erläutert habe:
http://herrdertoene.de/projekte/program ... oten-lesen

In aller Kürze: Unsere Notenlehre ist in der Regel zu verkopft, zu sehr geprägt von Logik und lässt dabei einen wichtigen Aspekt vollkommen außer Acht: Reaktion. Perzeptuelles lernen funktioniert anders: sehen, reagieren. Auf die Noten übertragen: Note sehen, so schnell wie möglich spielen, im Idealfall ohne Nachzudenken! Es ersetzt die Tradition nicht, ergänzt sie aber um den Aspekt Geschwindigkeit beim lesen.

Weil das gar nicht so einfach mit herkömmlichen Mitteln zu üben ist, habe ich mich entschlossen eine App zu programmieren, die das ganze vereinfacht. Sie zeigt dem Schüler eine Note und wartet, bis er diese spielt (auf dem eigenen Instrument!). Ist sie korrekt, folgt die nächste. Aufgrund meiner eingeschränkten Zeit und Fähigkeiten, kann ich sie leider nur für iOS zur Verfügung stellen. In der App-Beschreibung findet ihr auch die bisher unterstützten Instrumente.
https://geo.itunes.apple.com/de/app/not ... 49299?mt=8

Bei Fragen und Anregungen nutzt bitte diesen Thread. Vielleicht können wir die App gemeinsam noch besser machen! Herzlichen Dank!

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Cat Carlo
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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon Cat Carlo » Mo 18. Apr 2016, 16:02

Ich glaube, Du hast das Problem verstanden, aber steckst selber noch in den traditionellen Lehr-Schemen. Wie ich schon an anderer stelle hier im Forum geschrieben habe, läßt sich Musik am besten mit der Sprache vergleichen. Musik ist wohl das Gleiche wie eine (Fremd-)Sprache, es sind tatsächlich die gleichen Hirnregionen zuständig wie beim Sprechen. Und da die meisten (auch hier, auch ich!) ihre Muttersprache besser beherschen als die Musik sind Vergleiche zur Sprache durchaus helfend im Verständnis.

Also setzen wir gleich:
Musik hören ist wie Sprache hören.
Musik nach Gehör spielen bzw. (richtig) improvisieren ist wie Sprechen.
Musik-Stücke lernen ist wie Gedichte Lernen
Vom Blatt spielen (Dein Thema) ist wie Texte lesen.
Harmonielehre ist wie Grammatik.

So, jetzt zum Noten lesen. Du kannst bei Texten durchaus die Buchstaben im Wort vertauschen, oder durch Zahlen ersetzen. Wir sind dennoch in der Lage, den Text so ziehmlich fehlerfrei zu lesen. Ja man kann so gar mal Worte weglassen, wir ergänzen das automatisch aus dem Zusammenhang. Wir lesen also keine Buchstaben, sondern irgendwie den Text. Buchstabenweises lesen wäre auch viel zu langsam. Ich habe die gleichen Erfahrungen bei Musik gemacht: Viele Musikalischen Wendungen sind zwingend, also selbst wenn da ein paar Noten fehlen, ergänzt man sie automatisch richtig.

Daraus folgernd würde ich nicht bei der Note ansetzen. Aber Du steckst meiner Meinung nach wieder fest in den alten Lehrschemen. So wie man im Englisch-Unterricht ziehmlich früh anfängt die Grammatik zu pauken. Nur: Jeder englische Underdog, der aus der Hauptschule geflogen ist und die englische Grammtik nie kapiert hat, spricht besseres Englisch als die Spitzen-Abiturienten in D.

Wie der "Geist" ein Notenbild aufnimmt und umsetzt, ist wohl noch völlig unklar. Mir ist erstmal klar, das es unbewußte Vorgänge sind, denn das Bewußtsein, mit dem Du auch arbeitest, ist dafür viel zu langsam. Ich bin auch der Meinung, dass das Sprechen (spielen nach Gehör) vor dem Lesen kommen sollte. Einen weiteren Gedankenfehler sehe ich bei Deinem Konzept in der Konzentration auf die einzelne Note: Die Musik spielt sich aber eher in Intervallen ab. Ich hoffe Du verstehst was ich meine. Dies Ergänzend zu meinem Begriff "altes Lehrschema".

Ich finde es aber gut das Du Dich mit dem Thema auseinandersetzt.

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tortitch
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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon tortitch » Mo 18. Apr 2016, 20:45

MIr erscheint das Ganze etwas kurios. Wenn SChüler auch nach längerer Zeit eine Note nicht ad hoc identifizieren können, dann haben sie nicht genug geübt. Wenn ich nach Noten spiele, denke ich natürlich nicht mehr darüber nach oder fange womöglich an irgendetwas abzuzählen. Sondern meine Finger greifen halt automatisch die Note. Das ist eine Frage der Übung. Ob die App da wirklich hilft, weiß ich nicht. Beim Spielen nach Noten guckt man ja wahrscheinlich nicht nur auf die nächste Note, sondern auf die Notengruppe. Die App scheint das nicht zu unterstützen.

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Tom
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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon Tom » Mo 18. Apr 2016, 20:50

Notenlesen ist dem Lesen von literarischen Texten sehr ähnlich.
Du liest ja - ausser als Anfänger - nicht jeden Buchstaben eines Wortes, sondern das Wort insgesamt.

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tortitch
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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon tortitch » Mo 18. Apr 2016, 20:58

Jo, davon ma ganz ab.

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Reinhardt
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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon Reinhardt » Di 19. Apr 2016, 14:14

ja aber die App ist ja zwangsläufig auf Anfänger ausgerichtet, wenn ich das richtig sehe.

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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon Matt 66 » Di 19. Apr 2016, 17:01

Meine Meinung: Braucht man nicht wirklich!

Das Problem des "zu schnell auswendig spielens" kann ich nachvollziehen bzw. bestätigen. Meine Lösung: a) Karteikarten. Auf einer Seite die Note, auf der anderen der Ort (bei Dir Tastendiagramm, bei mir als Gitarrist Tabulatur-Angabe). Die Noten schlicht und ergreifend losgelöst von einem musikalischen Zusammenhang lernen. b) atonale bzw. unmelodischere und daher schwer eingängige Melodien vom Blatt spielen lassen.
Dein Ansatz drillt ja nur die Reflexe. Beim flüssigen Blattspiel kommt es aber auch auf andere Sachen an.

Apfelnat
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Re: Perzeptuelles Noten lernen

Beitragvon Apfelnat » Do 28. Jul 2016, 11:49

Ich finde die Idee ziemlich cool! :) Ich habe immer noch Probleme mit dem Notenlesen im Bass-Schlüssel. Ich verstehe nur nicht ganz, wie das funktioniert. Vllt kannst du ein Video davon erstellen, dass man sich das nicht erst kaufen muss um das zu sehen. Ich habe noch nie eine App gekauft, um ehrlich zu sein, und bevor ich das tue, möchte ich gern sehen, wie das funktioniert, und ob es mir z.B. mit meinem Bassschlüssel problem hilft beim Klavierspielen.


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