The unknown Zerrer

Benutzeravatar
spanking the plank
Beiträge: 3596
Registriert: Mo 25. Okt 2010, 07:01

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon spanking the plank » Mo 13. Sep 2021, 15:00

Das Beispiel des Nobels Overdrive zeigt auf, dass es eine nahezu babylonische Sprachverwirrung darüber gibt, was denn unter dem Adjektiv "transparent" im Zusammenhang mit "Overdrive" zu verstehen sei. Was für den Einen ein glasklares, durchsichtiges Klangbild ist, ist dem Anderen ein eher weicher, dunkler abgestimmtes; für beide wäre das immer noch "transparent". Es ist die gleiche Crux bei Ampsounds. Für den einen ist ein Einkanaliger Marshall 100w Amp 2203 "schrill" und "beißend", für den Anderen "durchsetzungsfähig". Marshalls sind verdammt höhenreich von Natur aus, was im Zusammenhang mit ihrem Zerrverhalten diesen einzigartigen, immer wieder erkennbaren Killersound ergibt, der durch jeden Mix kommt wie ein Messer durch den buttrigen Einheitsbrei. Man kann nicht alles haben. Die neuen Marshalls klingen auch clean geil und haben im Zerrbereich trotzdem immer diese gleiche Textur, die mit einer Stratocaster (aber auch mit einer Les Paul) so geil klingt. Long Story short: Ich liebe höhenreiche Sounds, generell: Warum? weil sie sich viel besser durchsetzen. Ich hasse muffige Sounds, Woman-Tone und diesen ganzen Firlefanz, den keine Sau braucht. Habt ihr bei Hendrix mal "Woman-Tone" gehört, ich lach mich tot. Zum Abschluss wieder zum sog. transparenten OD: Meiner Kenntnis nach ist der Jan Ray von Venuram "eigentlich" gar nicht als transparenter OD wie der Timmy gedacht, sondern er ist bzw. soll leicht angeknusperte Fender-Zerrsounds von Fender-Röhrenamps aus den 19 Mitt- bis Endfünfzigern des letzten Jahrtausends nachbilden.

Benutzeravatar
Spanish Tony
Beiträge: 7859
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 22:20

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Spanish Tony » Mo 13. Sep 2021, 15:46

Verdammt noch mal sind wir denn hier im Musikerboard?????
Erstens: Ich sprach vom Wampler Belle Overdrive
Zweitens: Man liest gelegentlich von Leuten, die gerne nachplappern, dass der Jan Ray nach Fender Blackface klingt. Tut er aber nicht!!!!!!!!!
Der zerrt zwar sehr harmonisch, aber die Mittenbetonung hat überhaupt nichts mit Fender zu tun
:wallbash: :mag: :hung:
Wer die Ohren aufsperren mag, wird hier hören was ich meine. Es wird sogar kurz der Belle mit dem Timmy verglichen
https://www.youtube.com/watch?v=wLd1rH4gVlk

Benutzeravatar
Han Solo
Beiträge: 3549
Registriert: Sa 23. Okt 2010, 20:02

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Han Solo » Mo 13. Sep 2021, 19:24

Spanish Tony hat geschrieben:Ich habe so das Gefühl als ob sich deine Vorlieben etwas verschieben.

Das weiß ich gar nicht. Ich versuche nur ein paar graue Flecken auf der Landkarte zu tilgen und mich weiterzubilden. So etwas kann ja auch immer inspirierend sein, wenn man etwas neues entdeckt. Ob sich die Vorliebe wirklich verschiebt wird sich zeigen, bzw. es ist ja kein Widerspruch klanglich vintage(artiges) und modernes Geraffel zu haben und jeweils für die eigenen Zwecke zu benutzen.

Danke jedenfalls für den Input. Ich hab mir natürlich schon einige Youtube-Vergleichsvideos angesehen. Da ist mir aufgefallen, dass der Jan Ray mittiger zu sein scheint als der Timmy. Von der Klangfarbe her sind die alle sehr sehr ähnlich, auch das Billigteil aus China. Aber das Problem ist ja nicht, eine Klangfarbe nachzumachen, um etwa Akkorde zu schrammeln (das können Modeller schon seit 20 Jahren), sondern die dynamische Spielbarkeit. Da werde ich nicht auf Billigzeug setzen. Ich meine auch aus den Videos ein wenig herausgehört zu haben, dass der Jan Ray etwas dynamischer ist. V.a. beim Sustain und den leisen Tönen ist da einfach mehr Ton da, wo der MXR Timmy und der Chinaböller abkacken. Aber Youtube halt, whatever. Beknackt am Jan Ray finde ich nur, dass die Regler nicht beschriftet sind. Wow, wie exklusiv. Vielleicht kommt noch mal eine beschriftete Deluxeversion für 200 Euro extra. :sick:

Den Sweet Drive hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Der sieht auch interessant aus und ist offenbar Made in Germany. Das gefällt mir schon mal.

Diese Nobels Dinger haben ordentlich Bässe und gehen mehr in eine grobere furzendere Zerre über, wie auch Tweed Amps. Das höre ich auch so. Das ist nicht der von mir bevorzugte Klang.

Der cleane Kanal vom DSL ist wirklich geil. Der basiert laut Marshall auf dem Plexi. Inwieweit das schaltungsmäßig stimmt, oder ob der Plexi nur das klangliche Vorbild war, weiß ich nicht. Aber es gibt einige, die beim DSL v.a. den cleanen Kanal verwenden, um ihn anzuboosten. Ich habe das immer nie verstanden, weil für mich die JCM Serie von Marshall in erster Linie HiGain-Verzerrung bedeutete. So langsam verstehe ich...

Benutzeravatar
Spanish Tony
Beiträge: 7859
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 22:20

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Spanish Tony » Mo 13. Sep 2021, 19:30

Sweetdrive und Jan Ray sind von den qulitativen Wiedergabeeigenschaften gleichauf. Der JR halt etwas mittiger. Der Sweetdrive neutraler.
Hast du auch Videos vom Belle gesehen? Ich finde das überhaupt nicht furzend :dontknow:

Benutzeravatar
Han Solo
Beiträge: 3549
Registriert: Sa 23. Okt 2010, 20:02

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Han Solo » Mo 13. Sep 2021, 19:38

Spanish Tony hat geschrieben:Hast du auch Videos vom Belle gesehen? Ich finde das überhaupt nicht furzend :dontknow:

Den noch nicht. Ich meinte die Nobels Teile. Den Belle schau ich mir an.
Nicht zu verwechseln mit der Belle:
https://www.youtube.com/watch?v=60IRZjTOFsg

edit: So, gerade das Wampler Teil gehört: Scheint eher eine gröbere Zerre zu haben. So zwischen Nobels und den transparenten.

Benutzeravatar
Han Solo
Beiträge: 3549
Registriert: Sa 23. Okt 2010, 20:02

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Han Solo » Mo 13. Sep 2021, 20:20

Spanish Tony hat geschrieben:Verdammt noch mal sind wir denn hier im Musikerboard?????
Erstens: Ich sprach vom Wampler Belle Overdrive
Zweitens: Man liest gelegentlich von Leuten, die gerne nachplappern, dass der Jan Ray nach Fender Blackface klingt. Tut er aber nicht!!!!!!!!!
Der zerrt zwar sehr harmonisch, aber die Mittenbetonung hat überhaupt nichts mit Fender zu tun
:wallbash: :mag: :hung:
Wer die Ohren aufsperren mag, wird hier hören was ich meine. Es wird sogar kurz der Belle mit dem Timmy verglichen
https://www.youtube.com/watch?v=wLd1rH4gVlk

"The Jan Ray was designed to recreate the punchy clear tone of the Blackface Fender amps from the 60’s. So-called the “Fender Magic 6” sound."
https://www.vemuram.com/jan-ray.html
:dontknow:

Benutzeravatar
Spanish Tony
Beiträge: 7859
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 22:20

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Spanish Tony » Mo 13. Sep 2021, 21:11

Damit will man halt Kunden fangen. Diese Mitten gab es bei Fender so nicht.
Da ist der Sweet Drive näher an Fender :-)
Bei der harmonischen Zerrstruktur kann ich mitgehen.

Benutzeravatar
spanking the plank
Beiträge: 3596
Registriert: Mo 25. Okt 2010, 07:01

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon spanking the plank » Di 14. Sep 2021, 07:32

Wie gesagt, babylonische Sprachverwirrung. Jeder Mensch hört das, was er hören will und die Geldbörse hört gehörig mit :laughter:

Benutzeravatar
spanking the plank
Beiträge: 3596
Registriert: Mo 25. Okt 2010, 07:01

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon spanking the plank » Di 14. Sep 2021, 07:39

Was mich immer wieder wundert: In den Anfang 1970ern hatten Livebands einen so gnadenlos guten Live-Sound. Ohne diese ganzen technischen Viagrapillen wie z. B. Tubescreamers, Jan Rays und wie sie alle heißen mögen. Wie haben die das nur gemacht.

Sie haben eine gute E-Gitarre in einen guten Amp gestöpselt und fertig. Ja, mitunter haben sie ein Wah-Wah benutzt. Das war es.

Hab mir gestern die Live-Scheiben von Humble Pie von 1971 "Live At The Filmore" , die letzte Tour mit Peter Frampton und danach die Live-Scheibe von der 1973er Tour, Live At The Filmore West in San Francisco angehört. Steve Marriott, Peter Frampton und ab 1972, hier live 1973, sein Ersatz Dave "Clem" Clemson haben einen Mördergitarrensound. Das ist unfassbar gut. Without gimmicks.

Benutzeravatar
Reinhardt
Beiträge: 6294
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 10:47

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Reinhardt » Di 14. Sep 2021, 07:59

Spanish Tony hat geschrieben:Damit will man halt Kunden fangen. Diese Mitten gab es bei Fender so nicht.
Da ist der Sweet Drive näher an Fender :-)
Bei der harmonischen Zerrstruktur kann ich mitgehen.

Yep daher liebe ich den Sweetdrive auch. Der ist vor meinem Stephenson fast immer an. Spart mir einen alten Vibrolux. ;-)

Benutzeravatar
Reinhardt
Beiträge: 6294
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 10:47

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Reinhardt » Di 14. Sep 2021, 08:00

spanking the plank hat geschrieben:Was mich immer wieder wundert: In den Anfang 1970ern hatten Livebands einen so gnadenlos guten Live-Sound. Ohne diese ganzen technischen Viagrapillen wie z. B. Tubescreamers, Jan Rays und wie sie alle heißen mögen. Wie haben die das nur gemacht.

Sie haben eine gute E-Gitarre in einen guten Amp gestöpselt und fertig. Ja, mitunter haben sie ein Wah-Wah benutzt. Das war es.

Hab mir gestern die Live-Scheiben von Humble Pie von 1971 "Live At The Filmore" , die letzte Tour mit Peter Frampton und danach die Live-Scheibe von der 1973er Tour, Live At The Filmore West in San Francisco angehört. Steve Marriott, Peter Frampton und ab 1972, hier live 1973, sein Ersatz Dave "Clem" Clemson haben einen Mördergitarrensound. Das ist unfassbar gut. Without gimmicks.


Da ist was dran. Aber man muss auch sagen: Sie waren so laut, wie es der Sweetspot des Amps halt hergab.
Dafür kommt man heute in U-Haft.

Benutzeravatar
spanking the plank
Beiträge: 3596
Registriert: Mo 25. Okt 2010, 07:01

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon spanking the plank » Di 14. Sep 2021, 08:30

Hi Reini,

man darf halt keine Angst vor Lautstärke haben. SRV und die ganzen "3-Mann-Band-Blueser/Rocker" haben alle UNFASSBAR laut gespielt.
Das ist integraler Soundbestandteil bei Live Gigs.

Ich hab, Gott sei Dank, Gary Moore kurz vor seinem plötzlichen Tod noch Live in Dresden erleben dürfen. Der hatte einen Sound zum Niederknien, aber MÖRDERLAUT!

Benutzeravatar
spanking the plank
Beiträge: 3596
Registriert: Mo 25. Okt 2010, 07:01

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon spanking the plank » Di 14. Sep 2021, 08:33

Mit "Angst vor Lautstärke" meine ich den spielenden Gitarristen.

Nur richtig gute Gitarristen spielen laut, weil sie keine Angst vor gar nichts haben und es einfach "drauf" haben, nicht nur geil zu spielen, sondern auch einen Killersound zu produzieren.

Benutzeravatar
spanking the plank
Beiträge: 3596
Registriert: Mo 25. Okt 2010, 07:01

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon spanking the plank » Di 14. Sep 2021, 08:37

spanking the plank hat geschrieben:Mit "Angst vor Lautstärke" meine ich den spielenden Gitarristen.

Nur richtig gute Gitarristen spielen laut, weil sie keine Angst vor gar nichts haben und es einfach "drauf" haben, nicht nur geil zu spielen, sondern auch einen Killersound zu produzieren.


Und was einen guten Gitarristen auszeichnet, ist die Dynamik im Sound. Also mal den Volumenregler an der Gitarre runterdrehen, mal in Songpassagen softer, cleaner spielen und dann, auf den Punkt die Dynamik erhöhen und wieder "full blast" zu spielen.

Benutzeravatar
Spanish Tony
Beiträge: 7859
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 22:20

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Spanish Tony » Di 14. Sep 2021, 09:16

Jaja, die alten Werte. Ich kann da durchaus mitgehen, trotzdem ist das für uns heutzutage nicht mehr relevant. Ich hatte mal das Glück und durfte eine 56er Gold Top über ein 68er Marshall Stack spielen. Das war der perfekte Sound!!!Aber es gab auch eben nur diesen einen Sound in einer Lautstärke, die man heutzutage nicht mehr haben darf. Das hat ja überhaupt nichts mit wollen zu tun. Wer von uns spielt denn schon auf großen Festivals oder in der Westfalenhalle? Selbst im Proberaum zickt unsere Sängerin sofort, weil ich angeblich zu laut bin.
Und um diese Probleme zu umgehen spiele ich halt mit Pedalen. Das klingt so gut, dass ich damit wirklich glücklich bin. Darüber hinaus habe ich verschieden Farben, unterschiedliche Zerrabstufungen und ich kann noch weitere Effekte problemlos integrieren. Für meine Band brauche ich oder möchte ich eine Vielfalt. Ich bin halt kein Blues Gitarrist :aah:

Benutzeravatar
Reinhardt
Beiträge: 6294
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 10:47

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Reinhardt » Di 14. Sep 2021, 10:03

Das Thema steht und fällt mit dem Schlagzeuger. :roll: :nick:

Benutzeravatar
Han Solo
Beiträge: 3549
Registriert: Sa 23. Okt 2010, 20:02

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Han Solo » Di 14. Sep 2021, 13:35

spanking the plank hat geschrieben:Was mich immer wieder wundert: In den Anfang 1970ern hatten Livebands einen so gnadenlos guten Live-Sound. Ohne diese ganzen technischen Viagrapillen wie z. B. Tubescreamers, Jan Rays und wie sie alle heißen mögen. Wie haben die das nur gemacht.

Sie hatten den Dallas Rangemaster oder den Echoplex Preamp. 8-)
Und aufgerissene Endstufen.

Benutzeravatar
Spanish Tony
Beiträge: 7859
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 22:20

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Spanish Tony » Fr 17. Sep 2021, 10:50

Ich bin grad schwer angetan von meinem relativ neuen Wampler Plexi Drive Mini. Ich hatte den für zuhause gekauft, um tragende Solosounds in geringer Lautstärke zu realisieren. Und das funktioniert super. Für meine Verhältnisse sehr, sehr leise und trotzdem klingt es gut, es trägt und es ist alles da. Geil! Sogar zurückregeln an der Gitarre funktioniert erstaunlich gut. Durch den Bassboost und den Midboost funktioniert dieses Pedal wirklich bei gerinsten Lautstärken. Perfekt! :thumbup:

Benutzeravatar
Han Solo
Beiträge: 3549
Registriert: Sa 23. Okt 2010, 20:02

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Han Solo » Fr 17. Sep 2021, 15:12

Ich lasse mir gerade etwas bauen. Nächste Woche weiß ich mehr...

Benutzeravatar
Spanish Tony
Beiträge: 7859
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 22:20

Re: The unknown Zerrer

Beitragvon Spanish Tony » Fr 17. Sep 2021, 16:01

Einen Amp????


Zurück zu „Equipment / Recording / Technik“